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Museen | 11.11.2016 | 16:56

Aufsehenerregende Publikation zu Insektenspuren vor dem Massensterben

Was genau passierte beim größten Massenaussterben vor 250 Millionen Jahren? Bedeutende Neuigkeiten dazu liefert eine neue Publikation des Naturmuseums Südtirol.

Abgefressenes Samenfarn vom Piz da PeresAbgefressenes Samenfarn vom Piz da Peres

Thematisiert werden bei der entsprechenden Studie Insektenspuren auf Pflanzenfossilien aus der Zeit des größten Massensterbens der Erdgeschichte der Perm-Trias-Grenze vor 250 Millionen Jahren. Nun wurde die Publikation von der renommierten, internationalen, wissenschaftlichen Online-Zeitschrift „PlosOne“ veröffentlicht. „Die neue Publikation analysiert als erste weltweit eine ganze Reihe von Fundstellen, in denen Insektenspuren auf Pflanzenresten gefunden wurden, die aus der Zeit vor und nach dem genannten Aussterbensereignis stammen“, sagt  Torsten Wappler, Wissenschaftler an der Universität Bonn. Die Publikation ist folglich viel umfassender und vollständiger als bisherige Publikationen. „Die Informationen, die uns diese Funde vermitteln, helfen uns zu verstehen, was damals genau passierte“, bringt Evelyn Kustatscher, Paläontologin am Naturmuseum Südtirol, die Wichtigkeit der Publikation auf den Punkt. Der Zeitraum, den die Publikation umspannt, sind 40 Millionen Jahre. Geografisch betroffen sind fast alles Gebiete, die heute auf Grund ihrer hohen wissenschaftlichen und landschaftlichen Wichtigkeit im UNESCO Weltnaturerbe Dolomiten liegen und zwar die Gebiete von Tregiovo und Monte Agnello im Trentino, der Bletterbach, die Berggipfel Kühwiesenkopf und Piz da Peres in den Pragser Dolomiten sowie weitere Fundstellen rund um Prags.

„Die in der Publikation gesammelten Daten zeigen etwa, dass es in den Dolomiten viel weniger Insektenspuren auf Pflanzenresten gibt, als auf der Südhalbkugel“, so Conrad Labandeira, Wissenschaftler am Smithonian Institute in Washington. Auch beweisen sie, dass vom Perm in die Trias die Anzahl der gefundenen Insektenspuren ansteigt, was auf einen Zuwachs der Insekten in dieser Epoche hinweisen könnte. Und dass sich die Insekten im Perm bereits ganz speziell von bestimmten Pflanzen ernährt haben, ist ebenfalls eine Erkenntnis, die auf die Rechnung der Autoren Kustatscher, Wappler und Labandeira geht. „So wurden zum Beispiel im Bletterbach vorwiegend Palmfarne und Nadelbäumen befressen, obwohl diese Pflanzen nur einen Teil der Flora ausmachen - nach dem Massenaussterben waren die Insekten hingegen auf die mittlerweile ausgestorbenen Samenfarne spezialisiert“, so Kustatscher. Außerdem sehe man, ergänzt Labandeira, dass sich vom Perm in die Trias immer mehr Insekten spezialisieren, währen Allesfresser nach und nach seltener werden.

In wissenschaftlichen Kreisen wird der Publikation eine erhebliche Bedeutung zugeschrieben. Denn bislang gab es nur vereinzelte Studien zu bestimmen Fundstellen von Insektenspuren aus der Zeit vor dem Massenaussterben oder danach, die sich zudem zum Großteil in der Südhemisphäre befinden.

Finanziert wurde die Studie “Floral Assemblages and Patterns of Insect Herbivory during the Permian to Triassic of Northeastern Italy”  hauptsächlich im Rahmen von zwei vom Land Südtirol getragenen Forschungsprojekten des Naturmuseum Südtirol.

Die neue Publikation ist auf der Webseite der Zeitschrift „PlosOne“ ersichtlich. Sie reiht sich in die vielen Forschungsprojekte, die das Naturmuseum Südtirol und die anderen acht Landesmuseen im Laufe der vergangenen Jahre zu den unterschiedlichsten Themen durchgeführt haben. Die systematische Suche nach neuen Erkenntnissen sowie deren Dokumentation und Veröffentlichung ist neben dem Sammeln, dem Bewahren und dem Vermitteln eines der vier Haupttätigkeiten der Museen.

Mehr Infos zur Studie erteilt Evelyn Kustatscher im Naturmuseum Südtirol in Bozen (Tel.: 0471 413433, E-Mail-Adresse: evelyn.kustatscher@naturmuseum.it).

(SAN)

  1. Eiablage auf einem Palmfarnblatt vom Piz da Peres [JPG 43 KB]
  2. Fraßspuren an einem Samenfarnblatt vom Kühwiesenkopf [JPG 43 KB]
  3. Für den Kühwiesenkopf typisches Samenfarn mit den am häufigsten auftretenden Insektenspuren [JPG 43 KB]

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